Obstfleck

Obstfleck

In meiner Kindheit machten meine Mutter, meine Brüder und ich jeden Sommer viele Wochen Urlaub bei meiner Oma in ihrer winzigen Schrebergartenhütte an einem Ziegelteich in Wien. Das Highlight der Urlaube war – neben dem See und dem Eisgeschäft – der Kirschbaum meiner Oma. Der trug immer so viele Kirschen, dass wir nicht mehr wussten, wohin damit. Die Lösungen hießen verschenken, Marmelade kochen und Kuchen backen. In der Küche stand daher fast täglich ein frischer „Obstfleck“ mit Kirschen. Und wenn die Kirschenzeit vorbei war, ein Obstfleck mit Marillen.

Obstfleck

Omas Rezeptheft ist mittlerweile in meinem Besitz. Ich blättere oft darin und frage mich, woher sie die Rezepte hat, ob sie die tatsächlich gebacken oder nur aufgeschrieben hat, und ob ich die Rezepte selbst kennen sollte. An einige erinnere ich mich, andere kommen mir komplett unbekannt vor.

Die Rezepte sind oft nur sehr lückenhaft angegeben. Mein Lieblingsrezept ist dieses hier:

Rezeptheft von Oma

Kein Name für die „Bäckerei“, keine Angabe zur Zubereitung. Ich glaube, das ist ein Rezept für Kekse, aber sicher bin ich mir nicht. Was glaubt ihr? Habt ihr irgendeine Idee?!?

Obstfleck

An den Obstfleck erinnere ich mich jedenfalls sehr gut; ich wollte ihn schon lange nachbacken. In Omas Rezeptheft habe ich zwei Rezepte für „Obstkuchen“ entdeckt. Eines ist ein Biskuit, das andere ein Rührteig. Ich glaube mich zu erinnern, dass Oma häufig einen Biskuitteig backte, habe für meinen Obstfleck aber das zweite Rezept verwendet. Ich wollte einen saftigen Boden mit etwas Biss.

Obstfleck

Obstfleck

Für meinen Obstfleck habe ich beide Obstsorten verwendet, Kirschen und Marillen. Ihr könnt den Kuchen natürlich auch ausschließlich mit Kirschen oder Marillen belegen. Auch anderes Obst schmeckt gut, etwa Ribisel, Pfirsiche, Nektarinen, Himbeeren, Blaubeeren!

Obstfleck

Obstfleck

Die Kirschen habe ich – so wie die Oma – nicht entsteint. Insgeheim finde ich entkernte Kirschen im Kuchen wesentlich angenehmer als Kirschen mit Stein, aber ich wollte mich an das Original-Rezept halten. Bei mir gab es also einen „Spuckkuchen“, wie man so sagt. Mit vielen Kernen zum Ausspucken.

Obstfleck

Der Obstfleck schmeckt fast genauso, wie ich ihn in Erinnerung habe. Saftig, fruchtig, nicht zu süß. Ach ja. Der einzige Unterschied zum Original ist wohl der, dass die Stimmung von damals fehlt. Die Hitze, der Geruch nach See, den ganzen Tag sorgenfrei im Bikini herumlaufen zu können und die Ferien zu genießen, diese Eindrücke bringt leider kein Obstfleck zurück!

Obstfleck

Obstfleck


Zutaten
120 g weiche Butter (laktosefrei, wenn du sehr empfindlich bist)
160 g Zucker
250 g Mehl
4 Eier, Raumtemperatur
125 ml Milch, laktosefrei
1 gehäufter TL Backpulver
Etwa 1 kg Obst: Kirschen, Marillen (ich: ½ kg Kirschen, ½ kg Marillen)

Zubereitung
1. Backblech mit Backpapier belegen. Einen Backrahmen in der Größe des Backblechs darauf stellen. Das Backrohr vorheizen auf 180° C Ober-/Unterhitze.
2. Das Obst waschen und vorbereiten: Marillen halbieren und entkernen, eventuell Kirschen entkernen.
2. Die Butter und den Zucker mit dem Zucker mit dem Handmixer oder der Küchenmaschine etwa zehn Minuten lang schaumig rühren. Die Eier einzeln dazu geben und jeweils mindestens eine Minute unterrühren.
3. Das Mehl mit dem Backpulver vermischen. Die Mehlmischung abwechselnd mit der Milch zum Teig geben und glattrühren; mit Mehlmischung enden.
4. Den Teig auf dem Backblech glatt streichen und mit Obst belegen. Etwa 25-30 Minuten goldgelb backen. Auskühlen lassen. Vor dem Servieren mit Staubzucker bestäuben.

Obstfleck

12 Comments

  1. Wie wunderbar, Eva! So schöne Erinnerungen! So ein altes Kochbuch ist etwas ganz Besonderes. Wie schön muss es bei deiner Omi gewesen sein. Kommt es dir auch so vor, als sei die Welt damals irgendwie einfacher gewesen. Also einfacher im Sinne von kleiner?
    Liebe Grüße Maren

    • Eva Dragosits

      Liebe Maren, die Welt war nicht nur kleiner, sondern definitiv einfacher! Wir waren Kinder, da hatten wir definitiv weniger Sorgen und Verantwortung als jetzt 🙂 !
      Liebe Grüße
      Eva

  2. Liebe Eva,

    ich musste mich ja der Herausforderung stellen und habe einfach mal die Zutaten des „Rezeptes“ deiner Oma zusammengeworfen. Das Ergebnis kannst du in meinen Insta-Stories sehen. Ob deine Oma das so gewollt hat, weiß ich natürlich nicht. Aber wenn, dann könnte ein bisschen mehr Zucker in den Teig ;).

    Liebe Grüße
    Marileen

    • Eva Dragosits

      Liebe Marileen,
      das ist ja cool, dass du mir dabei hilfst, Omas Rezepte nachzubacken 🙂 ! Der Teig in deinen Insta-Stories sieht gut aus, aber zu wenig Zucker?!? Meine Oma? Nie und nimmer 🙂 ! Für sie konnte es nie süß genug sein. Das Rätsel ist noch nicht gelöst 😉 ! Du hast mich jetzt richtig neugierig gemacht. Ich glaube, das muss ich wirklich selbst mal versuchen! Ich halte dich auf dem Laufenden!
      Liebe Grüße
      Eva

  3. Liebe Eva, dieses Obstkuchen sieht wunderbar saftig aus. Und was deine Großmutter mit Bäckerei meinte…da habe ich keine Ahnung. Aber du könntest Recht haben und es handelt sich dabei um ein Rezept für Kekse.
    LG, Diana

    • Eva Dragosits

      Oh ja, der Obstfleck ist richtig saftig ! Auf Omas Bäckerei kann man sich verlassen – wenn ihre Anweisungen klar genug sind !
      Liebe Grüße
      Eva

  4. Sandkorn

    Liebe Eva,
    diesen Kuchen muss ich unbedingt backen, allerdings in verkleinerter Form – welche Größe hat Dein Backblech?
    Gruß,
    Sandkorn

    • Eva Dragosits

      Hallo Sandkorn,
      mein Backblech ist 40 x 32 cm. Ich wünsche dir gutes Gelingen 🙂 ! Ich würde mich freuen, wenn du mir sagst, ob Omas Obstfleck geschmeckt hat 🙂 !
      Liebe Grüße
      Eva

      • Dieser Kuchen ist so einfach, so grandios – und so gefährlich! Noch warm wurde er wegschnabuliert, Stück für Stück bis auf die mehrmals angemahnten „Anstandsstückerl“ zum Kaffee morgen. Ich hätte mir das kleinere Backblech eigentlich sparen können…
        Schön, dass Du dieses wunderbare Oma-Rezept mit uns teilst!
        Dank und herzliche Grüße,
        Sandkorn

        • Eva Dragosits

          Liebes Sandkorn,
          mit dieser Rückmeldung machst du mir eine riesige Freude 🙂 🙂 🙂 ! Schön, dass euch der Obstfleck so gut geschmeckt hat!
          Meine Oma war nie eine Freundin halber Portionen. Halbe Backbleche gab es bei ihr nicht! Die waren auch nicht nötig, ihre Kuchen wurden immer aufgegessen 🙂 !
          Einen schönen Sonntag und liebe Grüße
          Eva

  5. Hallo, schöner Blog, auf den ich auf der Suche nach laktosefreier Kondensmilch zufällig gestoßen bin. Habe ich gleich abonniert. Ich koche und backe auch leidenschaftlich gerne. Bei Deinen Ausführungen oben musste ich an meine Oma denken, die auch strikt dagegen war, Kirschen vor dem Backen oder einkochen zu entsteinen. Sie behauptete, dass erst der Kern für den besonderen Aromakick (so hat sie es nicht genannt, so formuliere ich das 🙂 ) sorgen würde, nämlich der Speise ein Aroma nach Mandeln oder Marzipan verpassen würde. Vielleicht könnte man ja auch den Kern entfernen, und dafür eine Mandel einsetzen? Viel Arbeit, wahrscheinlich macht man es lieber pragmatisch so wie Oma und spuckt halt 🙂 Übrigens: auch Birnen mussten immer mit Kerngehäuse eingekocht werden für das Aroma.

    • Eva Dragosits

      Hallo Thomas,
      vielen Dank für diesen netten Kommentar 🙂 !
      Ich glaube, „pragmatisch“ trifft es perfekt. Die Oma war sehr praktisch veranlagt und hat sich einfach darauf verlassen, dass eh niemand die Kirschen samt den Kernen isst.
      Die Idee, die Kirschen mit Mandeln zu füllen, die hat was. Mandeln und Kirschen, das passt gut zusammen. Mir fällt dazu mein Kirschkuchen mit Karamell ein, hier der Link: http://www.ichmussbacken.com/2016/07/03/kirschkuchen-mit-karamell/. Sehr lecker!
      Liebe Grüße!
      Eva

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