Schokoladecreme-Pyramide

Schokoladecreme-Pyramide

Jetzt wird es ein bisschen persönlich. Nach dem Tod meiner Mutter im Sommer sind im Lauf der letzten Monate ganze Stöße von alten Kochheften, Boxen mit Rezeptkarten und vollgeschriebene und vollgeklebte Hefte mit Rezepten bei mir gelandet. Darunter die Rezeptkarte für die Schokoladecreme-Pyramide, die ich in meiner Kindheit so gerne mochte.

Und dieses Schulheft von mir aus der 1. Klasse Volksschule, das meine Mutter in ein Rezeptbuch verwandelt hat:

Rezeptheft

Rezeptheft

Das zweite Bild zeigt mein Lieblingsmotiv von damals: Den Suppenkaspar, der immer dünner wird, und sein Grab. Das habe ich immer und immer wieder gezeichnet. Ein Psychologe hätte wohl seine Freude daran!

Auch dieses kleine Heft mit Rezepten von meiner Oma war dabei, die sie vermutlich ab den 1950er-Jahren gesammelt hat. Oft sind nur die Zutaten angegeben, die Informationen zur Zubereitung fehlen. Ich würde gerne nachbacken, weiß aber nicht, wie!

Rezeptheft von Oma

Und dieses handgeschriebene Koch- und Backbuch von 1896. Ich habe keine Ahnung, wie es in den Besitz meiner Mutter kam, hüte es aber wie einen Schatz.

Rezeptebuch von 1896

Rezeptebuch von 1896

Beim Durchblättern all dieser Bücher und Heft gibt es bei mir regelmäßig kleine nostalgische Aha-Erlebnisse. Ich stoße auf viele Rezepte, die ich schon längst vergessen habe, die aber fixer Bestandteil meiner Kindheit waren. Wie eben diese Schokoladecreme-Pyramide. In dem Moment, als ich die alte fleckige Rezeptkarte erblickte, fiel sie mir wieder ein.

Schokoladecreme-Pyramide

Ich erinnere mich dunkel an eine ziemliche Schokoladen-Patzerei bei der Zubereitung, aber hauptsächlich daran, dass ich die Schokoladecreme-Pyramide geliebt habe. Am meisten mochte ich die Schokostreusel obendrauf. Zusammen mit der Schokoladecreme fand ich die einfach himmlisch.

Es hat mich sehr überrascht und berührt, welche Erinnerungen diese Familienrezepte auslösen. Ich habe vor, verschiedene Rezepte nachzubacken. Zum einen deshalb, weil ich wissen will, ob die Kuchen und Torten tatsächlich so schmecken, wie ich sie in Erinnerung habe. Zum anderen, weil ich es schade fände, wenn die Rezepte vergessen werden. Und dann natürlich deshalb, weil ich neugierig bin, ob ich die Rezepte überhaupt hinbekomme! Das wird vor allem bei den Rezepten ohne genaue Backanleitung spannend!

Schokoladecreme-Pyramide

Die Schokoladecreme-Pyramide ist der erste Kuchen aus diesem Fundus an Rezepten, den ich nachmache. „Backen“ kann man hier nicht sagen; die Schokoladecreme-Pyramide ist ein No-Bake Kuchen, wie man heute sagt. Sie besteht aus einer sehr reichhaltigen Schokolade-Buttercreme und getränkten Biskotten (= Österreichisch für Löffelbiskuit).

Ich habe allerdings einige Dinge gegenüber dem Originalrezept verändert. Die erste Änderung passierte aus einem Fehler heraus: Ich habe versehentlich Schokolade mit einem 2%igen Anteil an Kaffee-Extrakt gekauft statt normale Schokolade. Der ganz leichte Kaffeegeschmack passt zum Glück richtig gut zu den in Milch getränkten Biskotten. Wer sich an das Originalrezept halten möchte, nimmt dunkle Schokolade ohne Aromazusätze. Außerdem habe ich den Eidotter in der Creme weggelassen, da ich keine frischen Eier daheim hatte. Wenn schon rohes Ei im Kuchen, muss es bei mir absolut frisch sein, da riskiere ich nichts!

Schokoladecreme-Pyramide

Die nächste Änderung betrifft die Biskotten. Im Originalrezept werden sie entweder gar nicht befeuchtet oder mit Rum getränkt. Bei uns essen Teenager mit, die Alkohol in Kuchen nicht mögen; Rum ist also keine Option. Ich habe die Biskotten daher mit Milch getränkt; eine Kaffee-Milch-Mischung hätte auch sehr gut gepasst.

Auch die Dekoration habe ich geändert. Im Original wird die Pyramide dick mit Schokostreuseln bestreut. Die sind aber leider nicht laktosefrei. Ich habe die Pyramide also mit Schokospänen verziert, die ich direkt über der Pyramide mit dem Kartoffelschäler von einer Tafel Schokolade geschabt habe.

Schokoladecreme-Pyramide

Die Schokoladecreme-Pyramide schmeckt trotz der Änderungen sehr nach Kindheit! Schokoladecreme und Biskotten sind schon eine feine Kombination. Die Creme ist natürlich sehr reichhaltig, da gibt es nichts zu beschönigen. Als Kind mochte ich solche Cremes lieber als heute, aber hie und da darf es auch jetzt ruhig mal üppig sein.

Schokoladecreme-Pyramide

Ob ich die Schokoladecreme-Pyramide noch einmal zubereiten werde, weiß ich nicht. Aber wenn, dann werde ich die Biskotten kurz in Milch bzw. eine Milch-Kaffee-Mischung tunken und nicht nur damit beträufeln. Ich mag es lieber, wenn die Biskotten nicht so trocken sind.

Weitere Rezepte, die ich schon aud meiner Kindheit kenne, sind der Obstfleck, der Nussstrudel nach Omas Rezept und Omas Kakaokuchen.

Habt ihr auch Rezepte, die euch direkt in die Kindheit katapultieren? Oder geht das nur mir so?

Schokoladecreme-Pyramide

  • Portionen: 1 Kuchen von ca. 30 cm Länge
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Zutaten

90 g Staubzucker
45 g Vanillepuddingpulver
½ l Milch, laktosefrei
250 g Butter, Zimmertemperatur (laktosefrei, wenn du sehr empfindlich bist)
120 g dunkle Schokolade, laktosefrei (bei mir: dunkle Schokolade mit 2% Kaffee-Extrakt)
1 Eidotter (optional – ich habe ihn weggelassen)
30 Biskotten
Prise Salz

Zum Tränken der Biskotten
ca. ⅛ l Milch, laktosefrei
alternativ: 1/16 l Rum

Dekoration
Schokostreusel oder ca. 80 g dunkle Schokolade

Zubereitung
1. Etwa drei Viertel der Milch in einen Topf geben. Die restliche Milch mit 45 g Staubzucker, dem Puddingpulver und der Prise Salz glatt rühren. Die Milch im Topf aufkochen, die Milch-Puddingpulver-Mischung einrühren und erneut aufkochen. Dabei mit dem Schneebesen kräftig rühren. Wenn die Creme richtig dick geworden ist, den Topf vom Herd nehmen. Die Oberfläche des Puddings mit Frischhaltefolie abdecken, damit sich keine Haut bilden, und den Pudding komplett auskühlen lassen.
2. Die Schokolade im Wasserbad oder auf dem Herd bei niedriger Hitze schmelzen und leicht abkühlen lassen. Die Butter, den restlichen Staubzucker (45 g), die Schokolade und, falls verwendet, den Eidotter mit der Küchenmaschine oder dem Handmixer zu einer lockeren Creme aufschlagen; mindestens 5 Minuten lang.
3. Auf eine länglichen Platte drei mal drei Biskotten so auflegen, dass sie drei lange Linien bilden, zwischen denen etwas Abstand ist. Die Biskotten nicht zu knapp mit Milch, Milch-Kaffee-Mischung oder Rum tränken, dann mit einer bleistiftdicken Schicht Creme überziehen. Die zweite Schicht Biskotten genauso auflegen wie die erste Schicht, also drei mal drei Biskotten. Die Biskotten wieder tränken und mit einer bleistiftdicken Schicht Creme überziehen. Nun drei Mal zwei Biskotten auflegen, tränken und mit Creme überziehen. Als oberste Schicht jeweils zwei Biskotten mit Creme zusammenkleben, tränken und hochkant aufstellen. Mit der restlichen Creme die Zwischenräume füllen, die Creme dann so verstreichen, dass der Querschnitt dreieckig wird.
4. Für die Dekoration die Schokoladetafel direkt über die Schokoladecreme-Pyramide halten und mit einem Sparschäler dünne Schokoladespäne abziehen. Alternativ die Pyramide dicht mit Schokostreusel oder gehackter Schokolade bestreuen.
Die Schokoladecreme-Pyramide kühl aufbewahren.

Schokoladecreme-Pyramide

6 Comments

  1. Liebe Eva,
    Was für ein schöner Beitrag! Ich habe fast das Gefühl, dass wir beide zur Zeit ein wenig aufarbeiten ….
    Erinnerungen werden ja ganz häufig über Geruch und Geschmack gespeichert. Ich würde es total schön finden, wenn du uns einige deiner Kindheitsrezepte verrätst. Die Bücher deiner Mutter, aber auch deine süßen Zeichnungen haben mich besonders berührt. Mach dir übrigens keine Sorgen wegen des Suppenkaspers . Mein Sohn meinte gerade, dass es völlig normal sei, dass Kinder solche Phase durchleben. Du brauchst wohl keinen Psychologen bemühen

    Ich wünsche dir noch eine schöne Woche. Bei uns ist furchtbares Schmuddelwetter und nach einer kurzen Ruhepause, startet auch mein Jahr wieder mit Sorge um meine Mutter

    Liebe Grüße Maren

    • Eva Dragosits

      Herrje, Maren, das tut mir sehr leid, dass du nun Sorgen um deine Mutter haben musst. So knapp hintereinander, das ist schwer zu verarbeiten 🙁 . Fühl dich ganz fest gedrückt <3 !
      Ich denke, das Aufarbeiten gehört dazu und ist wichtig. Es dauert halt einfach seine Zeit, und die sollten wir uns nehmen. Ich denke, wir wissen ja, was wir brauchen und was uns gut tut, und das sollten wir auch unbedingt machen 🙂 !
      Bei uns gibt es heute Blitzeis, wie ich es noch nie erlebt habe. Da wäre glatt Schmuddelwetter noch besser!
      Liebe Grüße
      Eva

  2. Melitta Niedzballa

    Liebe Eva, bin zufällig heute auf Deiner Seite gelandet. Deine Schokopyramide kenne ich auch. Habe das Rezept vor vielen, vielen Jahren von einer Tante meines Mannes bekommen, seitdem ist die Pyramide fixer Bestandteil meiner Kuchen. Es gibt keinen Geburtstag unseres Sohnes (40 Jahre) ohne Biskottenpyramide so heißt sie bei uns. Ich tränke die Biskotten mit einem leichten Milchkaffee, tränken ist wirklich besser da die Biskotten dann etwas weicher sind.
    Liebe Grüße Melitta

    • Eva Dragosits

      Liebe Melitta,
      das ist aber spannend zu hören 🙂 ! Ich kannte bisher niemanden, der die Schokopyramide kennt. Bei uns daheim kam sie vor allem zu Geburtstagen oft auf den Tisch; da waren dann alle Geburtstagsgäste satt und glücklich. Ich finde es toll, dass du sie deinem Sohn immer noch zum Geburtstag machst 🙂 !
      Milchkaffee als Tränke ist eine gute Idee. Dann ist sie nicht ganz so süß und auch etwas weicher. Danke für den Tipp!
      Liebe Grüße
      Eva

      • Liebe Eva, habe mich über Dein Schreiben sehr gefreut. Wenn ich mich recht erinnere, war das Rezept in einer alten Zeitung veröffentlicht. Liebe Grüße Melitta

        • Eva Dragosits

          Das kann gut sein! Ich habe es von einer alten Rezeptkarte. Damals hat man noch nicht so auf Fett- und Zuckergehalt geschaut 🙂 ! Hauptsache, es hat geschmeckt!
          Liebe Grüße!

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