Fedlkoch

Fedlkoch

Mit dem steirischen Fedlkoch schließt sich für mich ein Kreis: Das Rezept verbindet mich auf ganz eigenartige Weise mit meiner Kindheit und der Gegend, in der ich meine ersten Lebensjahre verbrachte.

Fedlkoch

Die Geschichte dahinter ist folgende: Vor ewig langer Zeit zogen meine Eltern nach ihrem Studium von Wien nach Bruck an der Mur in der Steiermark und begannen dort ihre berufliche Laufbahn. Meine Brüder und ich kamen auf die Welt, dann führte der Beruf die Familie nach Tirol. An die fünf Jahre in der Steiermark kann ich mich kaum mehr erinnern.

Fedlkoch

Wie es der Zufall will, führte mich heuer ein beruflicher Auftrag in die Nähe meines allerersten Wohnorts, und zwar nach Aflenz. Das ist etwa eine halbe Stunde Autofahrt von Bruck an der Mur entfernt.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass alleine diese Nähe zu meiner „ersten Heimat“ solche Gefühle der Vertrautheit bei mir auslösen würde! Ich hatte das Gefühl, die Gegend zu kennen, und fühlte mich unerwartet „daheim“. Und das, obwohl ich meines Wissens nach noch nie in der Region war, die ich nun besuchen durfte.

Fedlkoch

Ein ganz besonderer Moment war für mich, als mir meine unglaublich nette steirische Begleiterin die Bergwelt rund um Aflenz erklärte – und mir unter all den Gipfeln und Bergen auch das Rennfeld zeigte. Das Rennfeld kenne ich aus Erzählungen. Anscheinend spazierte mein Vater oft mit mir dort hinauf. Den Erzählungen nach brauchte ich immer ewig für den Weg, weil ich jeden Stein umdrehte, jedem Schmetterling nachsah und jede Blume ausgiebig betrachtete. Es gibt sogar ein Foto von mir von damals auf dem Rennfeld:

Eine Erinnerung an die Gegend durfte ich in Form des Rezepts für dasFedlkoch mitnehmen, eine typische regionale Spezialität. Ich hatte vor meinem Besuch in Aflenz nie davon gehört; eine Internetrecherche brachte nur wenig Informationen dazu. Ich fand nur heraus, dass das Fedlkoch im Schönleitenhaus auf der Aflenzer Bürgeralm serviert wird, und war sehr neugierig darauf.

Fedlkoch

Nun war bei meinem Besuch des urigen Schönleitenhauses das Fedlkoch gerade aus. Das machte aber nichts: Als das Gespräch darauf kam, verriet mir Hermi Baumgartner, die Wirtin, ihr Rezept und erlaubte mir, es auf den Blog zu stellen. Einfach so! Ich freute mich riesig. Ich finde es immer ungemein großzügig, wenn Köche ihre Rezepte weitergeben – und dann noch so unkompliziert und herzlich dabei sind wie die Hermi!

FedlkochHier seht ihr die Schüsseln mit dem frisch geriebenen Fedlkoch.

Letztes Wochenende gab es bei uns also als Nachtisch „Fedlkoch“. Dafür wird flüssiger Schlagrahm mit Mehl, Grieß und Gewürzen unter ständigem Rühren zu einer dicken Masse gekocht, dann lässt man die Masse abkühlen. Aus der lauwarmen Masse werden Knödel geformt, die über Nacht im Kühlschrank kühlen und dabei fest werden. Am nächsten Tag reibt man die Knödel mit der Nussreibe oder der Handreibe auf einen Teller. Serviert wird das Fedlkoch mit Zimt, Zucker, Rosinen und geschlagenem Schlagrahm.

Fedlkoch

Ich war sehr neugierig darauf, wie das Fedlkoch schmecken würde – ich konnte mir das überhaut nicht vorstellen! Um es kurz zu machen: Das Fedlkoch schmeckt supergut!

Der Geschmack lässt sich allerdings schwer beschreiben. Am ehesten schmeckt es vielleicht wie kalter Grießbrei oder wie Grießschnitten, aber auch wieder nicht. Auf der Gabel ist das Fedlkoch sehr leicht und luftig. Die Konsistenz ist etwa wie von geriebenen Nüssen, nur viel saftiger. Das Mundgefühl ist sehr angenehm: Die leichten Flocken, dazu der Schlagrahm, die Gewürze und die Rosinen – sehr sehr lecker! Ich habe den Teller nach dem Fotografieren komplett aufgegesssen. Dabei wollte ich eigentlich nur kosten 😉 !

Fedlkoch

Nach dem großen Teller Fedlkoch war mir allerdings klar, dass das kein Diätessen ist. Ganz im Gegenteil sogar! Das Fedlkoch ist sicher ideal für jemanden, der gerade eine Bergtour hinter sich oder vor sich hat – das Fedlkoch macht definitiv satt! „Leicht“ bezieht sich nur auf die Konsistenz und sicher nicht auf die Kalorien!

Fedlkoch

Ich muss einfach noch einmal betonen, dass ich die Zubereitung des Fedlkochs faszinierend finde. Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen! Spannend, wie es die Leute früher schafften, aus mehr oder weniger stets denselben verfügbaren Zutaten immer wieder unterschiedliche Gerichte zuzubereiten!

Habt einen schönen Sonntag!

Fedlkoch

  • Portionen: Je nach Appetit ca 8 Portionen
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Zutaten

500 ml Schlagrahm, laktosefrei
250 ml Mehl (Milliliter, nicht Gramm!)
250 ml Grieß (Milliliter, nicht Gramm!)
1 TL Salz
5 EL Staubzucker
1 EL Vanillezucker
ca. 7-10 Nelken
1 Zimtrinde

Zum Servieren
Staubzucker
Zimt
Rosinen
geschlagener Schlagrahm (laktosefrei)

Zubereitung
1. Alle Zutaten in einen großen Topf geben, gut vermischen und aufkochen. Die Temperatur zurückschalten und bei niedriger Hitze unter ständigem Rühren etwa zwanzig Minuten köcheln. Vom Hred nehmen und auskühlen lassen. Die Zimtrinde und die Nelken entfernen.
2. Wenn die Masse lauwarm ist, fünf Knödel daraus formen und auf einen Teller setzen. Die Knödel ganz auskühlen lassen. Über Nacht im Kühlschrank kühlen.
3. Die Knödel entweder in einer Nussmühle oder mit der Handreibe fein auf einen Teller oder in eine große Schüssel reiben; ich habe eine Handreibe verwendet.
4. Zum Servieren einige Löffel Fedlkoch auf einen Teller geben. Mit Rosinen, Staubzucker und Zimt bestreuen. Schlagrahm dazu reichen oder darüber geben.

 

6 Comments

  1. Liebe Eva,
    was für eine schöne Geschichte. Und das Foto erstmal!! Einfach hinreißend! Wie interessant, dass du dich, obwohl du dich nicht mehr bewusst erinnern kannst, dich trotzdem heimisch fühltest. Da kann man mal sehen, dass doch vieles aus unserer frühen Kindheit in uns lebt und uns wahrscheinlich auch beeinflusst.
    Auch dass die Wirtin dir sogleich ihr Rezept verraten hat. Das spricht für sie , aber auch für dich. Leider hat man mir den Grieß in frühester Kindheit bei einem langen Krankenhausaufenthalt vermiest, so dass ich ihn heute zwar essen würde, aber immer noch nicht gern mag. Egal! Dies ist ein wunderschöner Beitrag von dir <3 !
    Herzliche Grüße Maren

    • Eva Dragosits

      Es war tatsächlich eigenartig, wie bekannt mir alles vorkam. Unterbewusst nimmt man wohl viel mehr wahr, als man glaubt 🙂 !
      Schade, dass dir Grieß “ausgetrieben” wurde 🙁 . Aber wenn du bei jedem Essen mit Grieß ans Krankenhaus denken musst, dann kann ich verstehen, dass du keinen Appetit darauf hast! Ich mag ihn sehr gerne. Grießbrei, Grießschmarren, Griesnockerl in der Suppe, ich bin dabei 🙂 ! Danke für deine netten Worte zu diesem Beitrag 🙂 !
      Liebe Grüße!
      Eva

  2. Liebe Eva, ich habe von Feldkoch nie etwas gehört. Aber es ist ein interessantes Gericht und ich mag Grießbrei, also werde ich das Rezept ausprobieren. Bin sehr gespannt wie es nun wirklich schmeckt.
    LG, Diana

    • Eva Dragosits

      Ich bin gespannt, was du dazu sagst 🙂 ! Ein Tipp vielleicht noch: Ich glaube, die halbe Menge reicht leicht für vier bis sechs ausreichend große Portionen. Ich werde es beim nächsten Mal für vier Personen jedenfalls so machen 🙂 !
      Liebe Grüße nach Wien!
      Eva

  3. Tolle Geschichte 🙂 Und natürlich auch ein tolles Rezept, schön, wenn man solchen “geheimen” Rezepte bekommen kann 🙂 Werde es auf jeden Fall nachmachen, bin schon genau gespannt 🙂 Liebe Grüße aus Schabs Südtirol 🙂

    • Eva Dragosits

      Ich freue mich sehr, dass dir die Geschichte und das Rezept gefallen – von solchen netten Rückmeldungen leben mein Blog und meine Motivation 🙂 ! Danke! Ich wünsche dir viel Spaß beim Nachmachen!
      Liebe Grüße nach Südtirol!
      Eva

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