Hollergelee

Hollergelee

In den letzten Tagen gab es bei uns einen drastischen Wechsel der Jahreszeiten: Über 30 ° C und Sonne am Donnerstag, 11° C und Schnürlregen heute. Es ist definitiv Herbst! In der Küche darf es da gerne wieder würziger und vor allem wärmender werden. Dieses Hollergelee mit dem feinen Zimt-Nelken-Geschmack tut mir schon beim Frühstück gut und hilft mir beim Start in den Tag!

Holunderbeeren sind die Früchte des Schwarzen Holunders. In Österreich sagen wir meistens einfach „Holler“ dazu. In Deutschland heißen die Holunderbeeren laut Google Fliederbeeren. Damit jeder weiß, was ich meine, zeige ich euch ein Bild:

Holunderbeeren

Eigentlich wollte ich diese hübschen Holunderbeerendolden dekorativ mit den Gläsern mit dem Hollergelee fotografieren. Ich hatte sie extra für die Fotos beim Laufen gepflückt und bin die ganze Strecke nach Hause mit den Beerendolden in der Hand gelaufen. Was tut man nicht alles für ein gutes Bild?

Hollergelee

Daheim habe ich schnell das Set aufgebaut und fotografiert. Die Zeit war knapp, weil es schon dunkel wurde. Ihr seht es auf den Bildern: Auf die Holler-Deko habe ich komplett vergessen. Ich fand die Beeren erst nach Abbau des Sets in der Küche. „Schnell noch fotografieren“ ist einfach keine gute Idee. Allmählich sollte ich das wissen!

Hollergelee

Das Hollergelee ist in der Zubereitung einfach, aber aufwendig. Holler pflücken, säubern, aufkochen, passieren, nochmals aufkochen, das dauert! Ich bin trotzdem froh, dass ich mir den Aufwand angetan habe. Erstens ist das Hollergelee für mich dadurch etwas ganz Besonderes. Und zweitens schmeckt es richtig lecker. Der Geschmack lässt sich schwer beschreiben. Aromatisch, würzig, wärmend – nach Herbst eben!

Mein Mann und ich hatten beim Pflücken großes Glück. Wir fanden an unserem Lieblingsplatz in kurzer Zeit reichlich Holler. Im Frühling sammeln wird dort immer Holunderblüten für den Holunderblütensirup. Ich war ehrlich erstaunt, dass wir bei  unserer ausgiebigen Pflückerei im Frühling noch so viel Holler übrig gelassen haben. Damit hatte ich gar nicht gerechnet; ich hatte erwartet, dass wir viel länger würden suchen müssen!

Hollergelee

Der Holler wird gewaschen, dann streift ihr die Beeren mit einer Gabel von den Dolden ab. Die Hauptsache dabei ist, dass ihr die groben Stiele entfernt. Kleine, feine Reste von Stielen sind kein Problem. Die bleiben später beim Passieren im Sieb hängen.

Die geputzten Beeren kocht ihr dann so lange, bis sie platzen und reichlich Saft abgeben. Die Zugabe von Wasser ist nicht nötig, der Holler ist ja noch nass vom Waschen.

Hollergelee

Jetzt wird die Beerenmasse samt Saft passiert, wenn möglich mit der Küchenmaschine mit einem Passiergerät oder mit einer „Flotten Lotte“. Damit sollte der Ertrag ergiebiger sein als bei mir: Ich habe die Beerenmasse mit dem Kochlöffel so kräftig wie möglich durch ein großes Sieb gedrückt. Ich glaube, mit dem richtigen Gerät wäre mehr Saft herausgekommen als mit diesem händischen Pressen!

Wenn ihr nach all der Arbeit endlich den Hollersaft vor euch habt, kommt der einfache Teil: Ihr wiegt den Saft ab, verrührt ihn mit der entsprechenden Menge Gelierzucker und mit den Gewürzen und kocht ihn, bis die Gelierprobe gelingt. Nun füllt ihr das Gelee in gründlich gesäuberte Gläser und verschließt sie. Das war es dann!

Hollergelee

Ich muss noch unbedingt eine Warnung aussprechen: Tragt beim Pflücken und Einkochen bitte altes Gewand! Holler färbt richtig intensiv. Die Farbe ist wunderschön, aber auf eurem Lieblingsgewand wollt ihr sie nicht haben!

Hollergelee

  • Portionen: 3-4 Gläser; je nach Größe der Gläser
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Zutaten

1800 g Holunderbeeren, „Holler“, von den Dolden gelöst und gewaschen
Gelierzucker 2:1
1 Zimtstange
3 Nelken
1 EL Vanillezucker

Zubereitung
1. Die Holunderbeeren in einem großen Topf aufkochen, bis sie aufgeplatzt sind und reichlich Saft abgeben. Bei mir dauerte das gut 10 Minuten.
2. Die heiße Beerenmasse passieren, entweder mit einem Passiergerät, der flotten Lotte oder von Hand. So viel Saft wie möglich aus den Beeren pressen.
3. Den Saft abwiegen und mit der entsprechenden Menge Gelierzucker vermischen. Beispiel: Ich erhielt knapp 900 g Saft und gab 450 g Gelierzucker 2:1 dazu.
4. Die Gewürze zum Saft geben und alles aufkochen. Nach etwa fünf Minuten die Gelierprobe machen: Eine Tropfen Gelee auf einen Teller geben und den Teller kippen. Wenn der Tropfen nur sehr langsam oder gar nicht herabrinnt, ist das Gelee fertig. Wenn der Tropfen noch flüssig ist, das Gelee weiterkochen. Regelmäßig die Gelierprobe machen, bis die Konsistenz passt.
5. Die Zimtstange entfernen und das heiße Gelee durch ein Teesieb in Gläser füllen; das Sieb fängt die Nelken auf. Die Gläser sofort verschließen.

6 Comments

  1. Liebe Eva,

    mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich werde bestimmt auch Hollergelee machen. Du hast Recht, von Hochsommer war’s mit einem Schlag Herbst. Ich habe schon Tee getrunken, keinen Eiskaffee mehr, ich habe Kerzen angezündet und das total genossen. Ich werde vor meinem Fenster den Hollerstrauch beobachten und dann gibt es nach deinem Rezept Gelee.

    Liebe Grüße
    Petra

    • Eva Dragosits

      Liebe Petra,
      welche Ehre, mein Rezept landet auf deiner Nachback-, äh, Nachkochliste! Das freut mich sehr 🙂 !
      Ich hoffe, das Gelee schmeckt dir genauso gut wie mir!
      Liebe Grüße und eine schöne Woche!
      Eva

  2. Liebe Eva, dein Hollergelee sieht super lecker aus. Ich wollte auch was mit Holunderbeeren machen, und als ich endlich welchen gefunden habe, haben mich meine Freundinnen etwas verunsichert, denn sie meinten, dass sind giftige Beeren und keine Holunderbeeren. Und da hab ich es lieber gelassen 🙁
    Und das mit dem etwas beim Fotografieren vergessen…das kenne ich nur zu gut 🙂
    LG, Diana

    • Eva Dragosits

      Liebe Diana,
      Holunderbeeren sind roh nicht genießbar. Sie müssen etwa 10 Minuten gekocht werden, damit man sie verträgt. Vielleicht haben deine Freundinnen das gemeint?
      Liebe Grüße
      Eva

  3. Liebe Eva,
    ich “muss” auch immer backen. Oft schaue ich mich aber an schönen Rezepten satt. Deine Seite ist sehr gut dafür geeignet. Danke für die leckeren Rezepte, ich werde bestimmt einige ausprobieren.

    Heute möchte ich dir einen kleinen Tipp geben, wie die Saftausbeute größer wird. Ich nehme keinen Kochlöffel, sondern den Rücken einer Suppenkelle und streiche damit das Fruchtmus durchs Sieb. Die Fläche der Kelle ist größer. So entsteht aber ein Mus und kein klarer Saft. Dafür dürfte man das Mus nur langsam durch ein Tuch tropfen lassen. Aber dann gehen ja die vielen gesunden Ballaststoffe der Beeren verloren.

    Mach weiter so, es grüßt dich Kathy

    • Eva Dragosits

      Liebe Kathy,
      vielen Dank für dein nettes Feedback 🙂 ! Ich freue mich sehr darüber.
      Danke auch für den Tipp mit der Suppenkelle. Mir geht´s um den Geschmack – ich habe kein Problem mit einem Mus. Hauptsache, es schmeckt!
      Liebe Grüße
      Eva

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